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© 2003 Detlef Pagel
  

Wie werde ich Hundetrainer?


Die Frage -Wie werde ich Hundetrainer- wird uns oft gestellt, ist aber nicht einfach zu beantworten, denn es gibt bekanntlich kein 'offizielles' Berufsbild Hundetrainer. Verschiedene Bestrebungen werden immer wieder zunichte gemacht durch unterschiedliche Ziele und Konkurrenz unter den einzelnen Hundeschulverbänden. Am besten wird sein, Sie sammeln soviel Erfahrung, wie möglich. Eigene Hunde erziehen, arbeiten in Tierheimen (kein Honorar...). Ganz praktisch ist es, einen eigenen Hund mit Hilfe einer guten Hundeschule in Ihrer Nähe zu erziehen und sich das System genau anzusehen. Ich bin von zwei Hundetrainern ausgebildet worden und habe (was viel wichtiger war...) lange in einer Hundepension gearbeitet.

Wenn Sie ein wenig auf unserer Homepage herumgestöbert haben, werden Sie gelesen haben, dass wir die MENSCHEN, also die Hundebesitzer als wichtigste Ansprechpartner ansehen und nicht etwa deren Hund!! Einen Hund zu erziehen, bzw. ihm die notwendigen Kommandos beizubringen, ist für einen Profi recht leicht. Aber die Problematik sieht ja ganz anders aus: Sie bekommen meistens erwachsene Hunde vorgesetzt, die ihren Besitzern teilweise seit Jahren Schwierigkeiten machen. Um diese Probleme zu lösen, muss der Hundetrainer massiv Einfluss auf den Hundebesitzer nehmen, damit sich dauerhaft etwas in der Beziehung zwischen diesem und seinem Hund ändert. Das hat oft eine unerwartet grosse Tragweite! Sie müssen mehr Eheberater, Psychotherapeut, Verhaltenstrainer spielen und ganz am Rande vielleicht auch mal Hundetrainer... (etwas übertrieben ausgedrückt).
Damit das nicht so abstrakt wirkt, hier ein kleines Beispiel: Sie werden zu einer Familie gerufen, die -sagen wir- einen Dobermann-Mix besitzt, Rüde, ca. 3 Jahre alt und kaum erzogen. Deswegen hat man Sie aber nicht angerufen, sondern weil er seit einiger Zeit den Ehemann anknurrt, wenn dieser sich zu seiner Frau ins Bett legen will. Im Verlauf des Beratungsgespräches stellen Sie fest, dass der Mann oft beruflich unterwegs ist, und die Frau den Hund aus Angst vor der Leere im Haus zu sich ins Bett gelassen hat.

Es würde hier zu weit führen, diesen fiktiven Fall komplett auszubreiten, aber eine mögliche Lösung sieht so aus, dass der 'Hundetrainer' erreichen muss, dass die Frau ihre Einstellung zu dem Hund krass ändert - was das schwerste ist- und beide müssen mit dem Hund unter ihrer Anleitung ausgiebig arbeiten. Sollte dabei herauskommen, dass der Hund die Kommandos einigermassen lernt, ist das ein wünschenswerter Nebeneffekt, aber nicht von so ausschlaggebender Bedeutung!! Sie müssen den Menschen Methoden anbieten, die den Hund dazu bringen, Autorität bei seinen Besitzern zu erkennen und diese nach und nach als 'Alpha-Tiere' zu akzeptieren. Wenn Sie sich mit diesem 'Berufsbild' identifizieren können, dann werden Sie Hundetrainer/in, andernfalls besser nicht, denn ich will vermeiden, dass Sie so arbeiten, wie es oft geschieht: Der Hundetrainer konzentriert sich auf den Hund - der ist schnell erzogen und wenn nach einem halben Jahr die Sache nicht mehr so gut funktioniert, sagt man dem Hundebesitzer: "Sie hätten sich wohl besser ein Kaninchen zugelegt, Hunde sind nichts für Sie..."!

Die Methoden der Hundeerziehung sind ein weiteres Reizthema. Da gibt es die mehr klassische Variante, die auf den Hundeplätzen praktiziert wird (Augsburger Modell), da gibt es die vielen 'Gurus' wie z.B. Ekard Lind (Spielmotivation) oder Jan Nijboer (Natural Dogmanship). Würzen kann man das Ganze mit etwas Clickertraining und Tellington Touch und wem das noch nicht reicht, der schaut nach, wie es die 'Mönche von New Skete' machen... Beinahe hätte ich die Verhaltenstherapeuten vergessen, die streng nach Lehrbuch vorgehen (Ignorieren von unerwünschtem und positiv verstärken von erwünschtem Verhalten...)

Kurios: Alles ist richtig, alles kann funktionieren! Welche soll ich also empfehlen? Ich kann hier nur einen Hinweis auf unsere eigenen Methoden geben: Augen und Ohren aufsperren und alles aufsaugen, was hilft, andere Menschen - Ihre Kunden eben-

Das Verhältnis zum Hund ist heutzutage oft unglaublich emotionalisiert und gute Hundetrainer sollten sich intensiv darum kümmern, dass Hunde ihren 'richtigen' Platz in einer Familie finden und dadurch ein glücklicheres Leben haben.
Sie müssen sich auch damit abfinden, dass die Situation auf den Hunde-Vereinsplätzen mit der Realität von 'privaten' Hundebesitzern nicht viel zu tun hat. Der normale Hundebesitzer hat keinen im Zwinger gehaltenen Schäferhund, den er/sie notfalls mit Gewalt zur Räson bringt, wenn es mal Dominanz-Probleme gibt. Unserer Erfahrung nach gibt es in diesem Umfeld immer noch Menschen, die sich sogar damit brüsten, wie sie mit ihrem Hund gekämpft hatten, um ihm zu zeigen, 'wo der Hammer hängt' (Originalton). Andere Probleme, wie Trennungsstress, Stubenreinheit, Klauen, Wildern können auf Hundeplätzen nicht ernsthaft angegangen werden. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Ein weiterer Hinweis: Es gibt Institute, die eine Ausbildung zum Hundetrainer anbieten, aber wir können keinerlei Aussagen darber machen, wie gut und nützlich das ist. Sie müssen hier Ihre eigenen Erfahrungen machen. Die Adressen findet man in den einschlägigen Hunde-Fachzeitschriften.


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