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19 | 05 | 2012
Methoden der Hundeerziehung Drucken E-Mail
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Methoden der Hundeerziehung
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Wenn wir uns gelegentlich mit anderen Hundeschul-Betreibern, Trainern und Kenner
der Materie unterhalten, wird man natürlich auch gefragt: Wie macht ihr es denn
so?“ Wir antworten dann gewöhnlich etwa: „Das 'Hier'-Kommando wird u.a. über
einen Leinenruck trainiert, beim 'Platz'-Kommando stellen wir uns auf die Leine,
usw....“. „Ach so, Ihr arbeitet ja noch nach der konventionellen Methode!“ Diese
Reaktion wird von uns normalerweise mit einem Schmunzeln quittiert, denn das
einzig konventionelle ist die Reaktion unserer Gesprächspartner und nicht unsere
Methoden.
Vorab wollen wir kurz zusammenfassen, was eine Methode zur Hundeerziehung in
einer Hundeschule überhaupt leisten muss:
  • Sie muss dem Tierschutzgesetz entsprechen.
Diese Minimalforderung ist nicht weiter erwähnenswert, denn ein Trainer,
der sich nicht mal an dieses absolute Minimum hält, wird einfach ausgebuht.
  • Sie sollte effektiv und schnell wirken.
  • Sie muss reproduzierbar und von Laien nach Einweisung durchführbar sein.

Punkt 1 soll hier nicht weiter erwähnt werden.
Die Diskussion der Punkte 2 und 3 führt uns direkt in die Problematik, zu deren
Bearbeitung wir etwas weiter ausholen müssen.
Der weitaus größte Teil unserer Kunden hat einen Hund, der so etwa 2 bis 5
Jahre alt ist, der keine wirklich schwerwiegende Probleme macht, der aber
weitgehend unerzogen ist. Jahrelang hat der Hundebesitzer es erduldet, dass sein
Hund an der Leine zieht, auf Zuruf nicht zurückkommt, andere Hunde überfällt und
einiges im und ums Haus herum zerstört. Irgendwann reicht es dann, man ist
bereits beim Gelenk-Orthopäden gewesen wegen des Ziehens, der Hund hat den
Erbsessel von Oma gefressen, oder die Anwaltskosten wegen der Streitereien mit
dem Nachbarn verhindern den Jahresurlaub. Jetzt muss eine Hundeschule her - man
kommt zu uns.
Der obengenannte Kunde soll noch etwas genauer 'durchleuchtet' werden. Zunächst
eine „Ehrenrettung“: Praktisch alle unsere Kunden sind äusserst gutwillige,
tierliebende Menschen, die es ihren Lieblingen an nichts fehlen lassen! Selbst
die Tatsache, dass man eine Hundeschule aufsucht, besagt ja auch, dass man sich
sorgt und etwas verändern will!

Aber genau hier liegt eines der zentralen Probleme, das wahrscheinlich die
Existenz von Hundeschulen überhaupt erzeugt: Die Tierart 'Mensch' lebt mit der
Tierart 'Hund' auf engstem Raum zusammen, wobei Emotionen entstehen können, wie
sie an sich nur unter arteigenen Partnern vom Typ 'Mensch-Mensch' auftreten
sollten. Da gibt es bekanntermassen Auswüchse, die an Peinlichkeit nicht zu
übertreffen sind. Andererseits ist uns natürlich klar, dass die Fähigkeit der
Hunde, in uns Menschen solche Emotionen zu erzeugen, ihre wohl wichtigste
'moderne' Eigenschaft ist. Demgegenber gibt es natürlich nach wie vor die
'Nutzhunde' in Form von Polizei-, Jagd-, Wach-und Hütehund – nicht zu vergessen
den 'Sporthund' – die für Ihre 'Benutzer' eben den Nutzwert haben. Sollte dieser
ausfallen (mangelnde Eignung, Alter, Krankheit..), wird oft kurzer Prozess
gemacht: Weg damit! In manchen Weltgegenden mit althergebrachten Strukturen, in
denen oft die Menschenrechte nennenswert weniger gelten, als hier unser
Tierschutzgesetz, urteilen wir vorsichtig und nicht vorschnell, aber es spricht
nichts dagegen, auch dort schlimme Verhältnisse anzuprangern (Beispiel: Ostasien
und Schlachthunde). An dieser Stelle ist es auch notwendig, andere Tierarten zu
erwähnen: Ist es sinnvoll, Hunde aus spanischen Tierheimen zu importieren, bevor
sie vergast werden, und nicht genug gegen die Millionen von Hühnern, Schweinen,
Kälbern u.a. in entsetzlicher Massentierhaltung hierzulande zu tun???

Der letzte Absatz scheint nicht allzuviel mit Methoden der Hundeerziehung zu tun
zu haben, aber da stimmt nicht. Er soll zeigen, wie weit sich der Mensch als
Hundebesitzer von seinen Instinkten entfernt hat. Beispielsweise ist
'Rangordnung' eines der oft unausgesprochenen Hauptthemen unter Menschen (Beruf,
Politik, Ehe/Partnerschaft, Eltern-Kinder...), aber dass Hunde hier perfekt
mitspielen können, nimmt man nicht wahr. Die Emotionen, die unser Verhältnis zum
Hund bestimmen, lassen diesen zu etwas anderem werden: meist zu einem
Pflegekind, oder zu einem (gleichgestellten) Partner/Kumpel. Diese
Anthropomorphisierung geht grundsätzlich schief. Es ist aber möglich, seinen
Hund zu lieben, und trotzdem einen gewisse Souveränität an den Tag zu legen, wie
es auch die Alpha-Tiere in einem Wolfsrudel tun, wie von vielen Wolfsbeobachtern
berichtet wird. Dort wird nicht despotisch geherrscht, es geht aber niemals
chaotisch zu...